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Die Entwicklung studentischer Verbindungen


Die ersten studentischen Zusammenschlüsse entstanden im 13. Jahrhundert, kurz nach den Gründungen der ersten Universitäten in Europa. Es waren Wohn- und Schutzgemeinschaften der Studenten, die "Burse", in welchen gewisse Lebensregeln galten, die von dem s.g. Magister beaufsichtigt und geleitet wurden. In der Burse gab es "beheizte" Unterrichts- und Wohnzimmer, welches zur damaligen Zeit absoluter Luxus war.
Von der Burse leitet sich der bis heute gebräuchliche Begriff des "Burschen" ab.

Zur Zeit des Humanismus bildeten sich die "Nationen" aus den Bursen, welche sich nach der landsmannischen Herkunft aufteilten. Die Nationen folgten einem strengen "Pennalismus" (Erziehungsprinzip), welches die Erziehung der jüngeren (dem "Pennalen") durch die älteren Mitglieder beinhaltete.
Mit der Zeit und Gründung weiterer Universitäten gab es immer mehr Nationen und das Selbstwertgefühl der Studenten wuchs. So kam im 16. Jahrhundert vermehrt zur Gewohnheit des Waffentragens und des Duellwesens, welches bis dahin den Adeligen vorbehalten war. Zu dieser Zeit entstand ein festes studentisches Duellreglement, die "Mensur".

Da im 17. Jahrhundert studentische Ausschreitungen und Gewalttätigkeiten zunahmen, wurden sie 1654 auf dem Reichstag in Regensburg verboten. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstanden jedoch die Nationen als "Landsmannschaften" wieder. Mit den Landsmannschaften kam auch das tragen der "Couleur" (Verbindungsfarben) auf, an welcher man die Mitglieder der einzelnen Bünde erkannte. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert entstanden aus den Landsmannschaften heraus die sog. "Orden". Die Orden legten das landsmännische Prinzip ab und waren ein Bund gleichgesinnter weltoffener Studenten aller Länder, welche den Partikularismus ablehnten. Sie waren an das Freimaurertum angelehnt und daher eine straffe Organisation, in der die lebenslange Freundschaft und die Bruderhilfe sehr stark ausgeprägt waren.
Da in den Orden das Gedankengut der französischen Revolution aufkam, wurden sie bald von den Behörden verfolgt. Deshalb zogen sie sich zurück und entwickelten ein internes geheimes Brauchtum, woraus z.B. der studentisch gebräuchliche Zirkel entstand. Mit der Zeit allerdings entwickelten die Orden ein akademisch aristokratisches Bewusstsein und glitten ins oberflächliche ab, welches in einer überspitzten Ehrauffassung und damit zu einer Ausweitung des Duellwesens endete.

Als Opposition zu den Orden entstanden "Kränzchen", die die Duellwut und die ausschweifenden Trinkgelage ablehnten, übernahmen aber die straffe Organisation und Grundsätze der Orden. Aufgrund der Ausschreitungen und des revolutionären Gedankengutes der Orden und Landsmannschaften, wurden auf dem Reichstag von 1793 in Regensburg wiederum alle Verbindungen verboten, welchem aber nur die Orden vollständig zum Opfer fielen. Aufgrund des Reichstagsbeschlusses entstand aus den Landsmannschaften Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten "Corps".
Die Corps lehnten bewusst die politische, wissenschaftliche und religiöse Beeinflussung ihrer Mitglieder ab, und wurden deshalb auch, und speziell wegen der politischen Neutralität, behördlich geduldet. Die unbedingte Satisfaktion aber wurde und wird weiterhin gepflegt.

Mit den Freiheitskriegen von 1813 bis 1815 fanden patriotische Aufrufe wieder gehör bei den Studenten und es Entstand aus den Landsmannschaften heraus die erste "Burschenschaft". Die Burschenschaften vertraten den Gedanken des "Nationalbürgertums" und hatten eine starke vaterländische Ausprägung. Sie setzten sich für die politische, wirtschaftliche und religiöse Einheit Deutschlands ein, welches eine konstitutionelle Monarchie aufgrund einer Verfassung haben sollte. Durch ihre politische Auffassung erfuhren sie wieder behördliche Beobachtung und staatlichen Druck.

In dieser Schwierigen Zeit entstand als Gegengewicht zu den politischen Bünden die ersten religiöse Verbindungen, der "Wingolf", und es entstanden "akademische Turnervereine". Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war ein kooperativer Frühling, es entstanden an allen Hochschulorten viele Verbindungen, welche sich dann auch zu Dachverbänden zusammenschlossen. So entstand der Akademische Turnerbund, der "Weimarer CC" der akademischen Sängerschaften, der "Coburger Convent (CC)" der Landsmannschaften, der "Kösener-Senioren-Convents-Verband (KSCV)" der Corps und der "Cartellverband" der katholischen Bünde.

In der Zeit des "Dritten Reichs" wurden im Zuge der Gleichschaltung aller Vereine und Verbände die Kooperationen aufgelöst, sie Begründeten sich aber fast alle nach dem Ende des Krieges wieder.